AUFZEICHNUNGEN - 01 (M.G.)

Donnerstag, 24. April 2014 um 23:05 - monsignore genickschuss
AUFZEICHNUNGEN
(NIEDERGESCHRIEBEN NUR FÜR DEN FALL, DASS RATTEN ODER INSEKTEN EINES TAGES NOCH DAS LESEN LERNEN UND ES DANN BESSER MACHEN WOLLEN)
von MONSIGNORE GENICKSCHUSS DIE MOMENTE
Eine Reportage über den letzten selbstständigen Schlag einer ehemaligen Kolonialmacht, eines früheren Empire. Welche Einheiten wo gelandet sind, habe ich vergessen. Das nicht: Ein Soldat, dem es nicht gelingt seine Tränen zu verbergen, den die Toten nicht mehr loslassen, der sich schließlich dafür entschuldigt, sie noch immer nicht als Feinde sehen zu können. "Kinder", sagt er, "Das waren noch Kinder". Selbst ein britisches Rotzbubengesicht, gealtert, inzwischen mit Oberlippenbart, und nicht nur durch diesen gezeichnet für's Leben. Aber immerhin, es ist noch eins, ein Leben, ein Gesicht. Und trotzdem möchte man mit ihm weinen. Ein Mörder, eine arme Wurst, einer der die Lüge von der Pflicht geglaubt hat...
Nur ein kleiner Krieg um ein paar kleine Inseln und hinterher das große Fahnenschwenken am Hafen und kreischende Weiber und ein gerührter Veteran mit Union Jack, der die Entstellten und Verbrannten seiner eigenen Kämpfe längst verdrängt zu haben scheint. Vielleicht haben sie ihn aber auch nie gekümmert, wer weiß das schon. Und das Eiserne Monster bekundet seinen Stolz auf seine Nationalität :I am proud to be British- und blaues Blut und geladene Krieger applaudieren und die, die bei den Würmern sind, die können nichts mehr sagen, nicht auf Englisch, nicht auf Spanisch, nicht auf Guarani.
Das sind die Momente, in denen ich selbst töten möchte und nichts Falsches daran finden kann.

GESCHAFFT!
Es dauert nicht mehr lange, vielleicht noch ein oder zwei Jahre, noch fünf oder sechs Zweiteiler, ein Dutzend Dokus, eine Hand voll Kinofilme, Bambi-prämiert und Springer-hofiert. Dann ist es soweit, dann ist es vollbracht, dann werden dank Dresden, Stauffenberg, Wilhelm Gustloff, Frau Burda und Deinem Urgroßvater, den der Fliegeralarm zu Tode erschreckte, endlich mehr deutsche Opfer des Zweiten Weltkriegs über deutsche Leinwände, Bildschirme und Netzhäute geflimmert sein als... tote Juden. Wobei, wie meine ergraute Nachbarin kürzlich anmerkte: "Das weiß man ja auch gar nicht so genau. Also das mit den sechs Millionen..."

L'ART POUR L'ART
Kunst hat keinen Zweck. Dem ist nichts hinzuzufügen.


URSACHE UND WIRKUNG
Meine Nachbarin, von der hier schon die Rede war, erklärte mir kürzlich Folgendes: "Sogar der Jude sagt" :gemeint war ein jüdischer Kunstprofessor- "hätte man den Hitler malen lassen, wär' das alles nicht passiert... Und Malen konnte der ja. Da wusste man manchmal gar nicht, ob das nicht Photographien sind."
Gewiss, dachte ich, es wäre wohl besser gewesen, der Mann hätte die Leichenberge und Lampenschirme nur gemalt. Schließlich hätten Millionen Deutsche dann nicht zu Mördern werden und all die Judenhabe an sich nehmen müssen. So allerdings...

SELBSTSTÄNDIGES DENKEN
Während einer Ghettoräumung verfiel ein deutscher Soldat ins Grübeln. Ihm war urplötzlich klargeworden, dass er bei der Verrichtung seiner Arbeit ein ganzes Volksvermögen verballerte und er fühlte sich auf einmal schuldig. Nach einer für ihn gewiss außerordentlich anstrengenden Weile, kam ihm eine Idee, wie das Problem gänzlich unbürokratisch zu lösen sei. Sein Gedanke war so einfach wie brillant: Er nutzte die überall herrenlos umherstehenden Kinderwagen um darin jüdische Babys übereinander zu stapeln. Angesichts der enormen Durchschlagskraft deutscher Kugeln gelang es ihm so, die auf ihn und seine Kameraden fallenden Ausgaben der Wehrmacht um etliche Prozentpunkte zu senken. Wären Verbesserungsvorschläge schon damals mit großzügigen Prämien belohnt worden, ich bin sicher, er hätte anstandslos auf das Geld verzichtet.
Bedauerlich einzig und allein: Sein gutes Beispiel scheint unter den Selektionären unserer Tage gänzlich in Vergessenheit geraten zu sein. Wie sonst wäre es zu erklären, dass noch immer Unmengen an kaum genutztem Wohnraum aus Steuergeldern bezahlt werden, wo sich doch fünf Millionen Arbeitslose ganz hervorragend in 1,5 Millionen Feldbetten übereinander stapeln ließen?

ENTWEDER ODER
"Man muss sich schon entscheiden, Arbeit oder Gerechtigkeit, beides wird nicht gehen", meint der Arbeitgeberpräsident...
Also, wenn er schon so fragt, dann nehme ich wohl einfach die Gerechtigkeit. Arbeit hat mir, wenn ich ehrlich bin, nie wirklich viel bedeutet.

GRUNDSÄTZLICHES
Ich plädiere dafür auch weiterhin so tun, als hätte der Mensch eine Seele, als würde es die wahre Liebe wirklich geben, als könnte Brüderlichkeit eines Tages mehr sein, als nur ein Wort. Auch wenn wir längst wissen, dass nichts davon der Wahrheit entspricht. Den Kindern zu Liebe und der Filmindustrie. Und wegen all der hübschen Songs... Und weil ein schöner Traum immer noch besser ist als nichts, obwohl er letztlich nichts ist.


MENSCHENRECHTE vs. UNTERMENSCHENPFLICHTEN
Wenn ein unverheirateter Arbeitsloser jede Tätigkeit in jeder beliebig weit entfernten Stadt annehmen muss, kann von einer freien Wahl des Wohnortes keine Rede mehr sein.
Die Reisefreiheit und die freie Wohnungswahl entfallen bereits aufgrund seines fehlenden Vermögens. Letzteres führt -ganz ohne Einsatz von Armee oder Polizei- zur Ghettobildung.
Zieht ein noch in Lohn und Tütenbrot stehender Mensch mit einem Arbeitslosen zusammen, müssen beide nachweisen keinerlei Beziehung zueinander zu unterhalten. Andernfalls hat der noch Verdienende für den anderen aufzukommen. Dies verhindert nicht nur Misch-WGs, sondern auch die Anbahnung von Mischehen.
Einer Ausgangssperre bedarf es nicht, der Arbeitslose hat kein Geld um auszugehen.
Privatsphäre ist ein, dem gemeinen Arbeitslosen keinesfalls zustehender Luxus. Sozialdetektive dürfen jederzeit Einsicht in seinen Kühl- oder Kleiderschrank verlangen.
Der Arbeitslose kann zu Sklavenarbeit herangezogen werden, erhält dafür aber Kleinstvergünstigungen finanzieller Art. Keine Armbinde.
Der Arbeitslose darf mit Tieren verglichen und nach Herzenslust beschimpft werden, ohne, dass denen, die ihn vergleichen und beschimpfen, deswegen rechtliche Konsequenzen drohen.
Das Fernsehen zeigt uns täglich wie der Arbeitslose am Volkskörper bzw. :vermögen nagt. Er ist gierig und verkommen, erschleicht sich Leistungen und unterwandert den Staat. Zu seiner Nase wurde bisher nichts gesagt.
Noch darf der Arbeitslose nicht nach Belieben geschlagen oder erschossen werden...

VOM REGEN IN DIE SCHEISSE
Die Zahl der Bildungsbürger nimmt rapide ab und wir würden ihr Aussterben fraglos begrüßen, würden wir uns vor den wandelnden Rechenmaschinen, die sie nun ersetzen, nicht noch mehr ekeln.

TÄTER
In Palästina sind nicht wenige Menschen der Ansicht, dass die der eigenen Seite fehlenden Panzer und Kampfhubschrauber nur durch die so todes- wie menschenverachtende Opferbereitschaft einzelner ausgeglichen werden können. Daher stellen sie ihre Kinder bereits frühzeitig bärtigen Männern zur Verfügung, die aus den Kleinen todes- und menschenverachtende Selbstmordattentäter machen, derer dann später unter Tränen und antisemitischen Wutausbrüchen gedacht werden darf.
Ein deutscher Antiimperialist, den ich einst nach dieser Praxis befragte, fand daran nichts auszusetzen. Schließlich würde das israelische Militär bisweilen sogar auf Kinder schießen...

LEIDER
Leider gibt es in Palästina auch Menschen, die ihre Kinder nicht den bärtigen Männern geben und die Selbstmordattentate immer noch für ein Verbrechen halten. Für einen antideutschen Genossen, mit dem ich mich vor Längerem unterhielt, ändert dies allerdings nichts an der Tatsache, dass auch die gemäßigteren Palästinenser Teil eines völkischen Mordkollektivs sind und somit natürlich kein Recht haben sich zu beschweren, wenn ihre Häuser von Bulldozern niedergewalzt oder ihre Kinder von Raketen zerrissen werden. Antideutsche hassen nun mal Völker, die völkisch denken. Mit Mann und Maus und Kind...

UNGERECHT
Nein, meine grob vereinfachende Darstellung der antideutschen Sichtweise war ungerecht und ich bedaure sie zutiefst. Vielmehr sind Antideutsche nämlich der Meinung, dass der Staat Israel grundsätzlich jedes Mittel gegen seine Feinde einsetzen darf, selbst wenn ihm das nur noch mehr Feinde einbringt und die Zahl der Selbstmordanschläge dadurch nicht im Geringsten abnimmt. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Und Israel ist der Hort der Aufklärung im Nahen Osten. Das war es, was ich eigentlich sagen wollte.

NICHTSDESTOTROTZ
Der Sänger einer seit den 80-er Jahren auch in Spartendiskotheken bekannten britischen Independent-Band erklärte mir vor ein paar Monaten, dass die Gründung des Staates Israel in dieser Region ein schwerer Fehler und außerdem ein großes Unrecht gewesen sei. Antisemitismus sei hingegen keine Wurzel dieses Konflikts, die meisten Menschen wollten ohnehin nur ein Dach über dem Kopf und ihre Familie ernähren können.
Dies wirft drei Fragen auf: 1) Woher kommt dann der Judenhass ostdeutscher Tankstellensteher? Haben doch die allermeisten von ihnen noch nie einem Juden, geschweige denn einem jüdischen Soldaten gegenüber gestanden... 2) Werden die in der arabischen Welt millionenfach gedruckten und gekauften "Protokolle der Weisen von Zion" von ihren Lesern tatsächlich als Realsatire begriffen? Und 3) Wo hätte man diesen Staat eigentlich gefahrlos gründen können?
Zunächst dachte ich an die Arktis, aber dann fiel mir wieder ein, dass dort ja enorme Ölreserven vermutet werden...

GLÜCK IM UNGLÜCK
Apropos: Der Klimawandel har auch sein Gutes. Wird eines Tages erst all das schwarze Gold zu Tage gefördert, welches jetzt noch unter vergänglichem Eis verborgen liegt, werden zumindest die Benzinpreise wahrscheinlich wieder sinken.




fotos von: http://www.banksy.co.uk/menu.html

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